Erfolgreiches Festival zum 100. Geburtstag Georg Kreislers

Was hat Georg Kreisler, einst gern gesehener Gast im Stuttgarter Renitenztheater mit Untertürkheim zu tun? Es waren drei Künstler*innen, die sich mit ihrer Georg-Kreisler-Begeisterung zusammengefunden  und zu seinem 100. Geburtstag 2022 ein  dreitägiges Festival organisiert haben. Das Konzept entwarf die Sängerin Renate Brosch, der Dirigent der Chorvereinigung Kai Müller, der ein riesiges Kreisler-Repertoire in Kehle und Fingern hatte, war mit von der Partie, die Bühnenbildnerin Marlene Blumenstock ergänzte die Veranstaltungen durch eine Kreisler-Ausstellung in der Stadtteilbibliothek.

Renate Broschs politischer Liederabend „Georg Kreisler gegen Antisemitismus“ im Julius-Lusser-Haus setzte einen Akzent, der angesichts der aktuellen geopolitischen Lage in Europa, besonders die Gemüter traf: die Texte Kreislers sind so aktuell wie nie – mal bissig, mal traurig, mal tragikomisch, trotzdem in heitere Tanzrhythmen gekleidet. Renate Brosch als Sängerin,

Foto: Enslin

Sprecherin und Moderatorin gestaltete zusammen mit ihrem Liedduo-Partner Karl-Friedrich Schäfer an Klavier und Akkordeon einen ausdrucksstarken Abend mit vielen unbekannten Kreislerliedern, der berührte und begeisterte.

In einer Matinee präsentierten Renate Brosch und Karl-Friedrich Schäfer ihre neue CD, eigene Lieder von Renate Brosch als Hommage an Kreisler, spritzig-witzig und abwechslungsreich.

Am Abend präsentierte Renate Brosch Sänger*innen ihrer privaten Gesangsklasse mit einem farbigen Programm, das zeigte, wie sehr Kreisler in der Tradition der klassischen Musik stand:  schon Mozart schrieb Kabarettlieder, aber auch Haydn, Beethoven, Schumann, Mahler, sogar Strauss und Schönberg; im 20. Jahrhundert
explodierte die Produktion der Kabarettlieder geradezu: Ein vergnüglicher Abend, bei dem sich alle mit ihren spezifischen Talenten präsentierten.

Foto: Nicht-Roth

Highlights waren Ellen Schuberts grandiose Präsentation von Claire Waldoffs „Emil seine unanständje Lust“, Jürgen Ankele präsentiere mit Beethovens „Der Kuss“ verschmitzt einen frühen Fall von „Me too“,  Gudrun Ederer brach mit ihren Liedern von Friedrich Holländer und Oscar Straus eine Lanze für die Frauenemanzipation, Dana Wenzel war eine überzeugende See-Räuber-Jenny, Angela Rabini erheiterte das Publikum mit Kreislers „Ich hab kei Lust“, Daniela Wolff belehrte alle mit Mahlers skurrilem Lied „Des Antonius zu Padua Fischpredigt“; anrührend war die jüngste Sängerin, Frieda Schwenk, mit einem Song von Georg Danzer über die Freiheit.

Foto: Nicht-Roth

Einen fulminanten Schlusspunkt setzte Silvia Breiner mit einer glänzenden Kabarettnummer von Kreisler „Im Theater ist nichts los“. Am Klavier begleiteten Daniela Wolff, Karl-Friedrich Schäfer und Renate Brosch.

Ein Feuerwerk an Kreisler-Evergreens entfachte zum Schluss Kai Müller, der sich wie einst Kreisler selbst am Klavier begleitete, auch vor frauen- und ehefeindlichen Liedern nicht zurückschreckte und das unverwüstliche „Tauben vergiften im Park“ in der Kreislerschen Neuvertextung als bissigen Anti-Vatikan-Song brachte.

Dass Kreislers  Botschaften weiterleben, konnte man bei einer von Marlene Blumenstock kuratierten Ausstellung in der Stadtteilbibliothek betrachten: Auf Plakatwänden und in Vitrinen war alles zusammengetragen, was an Noten und Büchern über Kreisler noch zu fassen ist.

Mit diesem Festival hat der Kulturhausverein nach zwei Jahren Pause seine Live-Aktivitäten wieder aufgenommen.
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