OB Karl Lautenschlager – 150. Geburtstag

150. Geburtstag des ehemaligen OBs Karl Lautenschlager

www.stuttgart.de -09.05.2018 – Aktuelles
Der Geburtstag von Dr. Karl Lautenschlager, Stuttgarter Oberbürgermeister von 1911 bis 1933, jährt sich am 18. Mai zum 150. Mal. In seiner Zeit als OB entwickelte sich Stuttgart zur modernen Großstadt und zum Wirtschaftszentrum. Lautenschlager wurde 1945 die Ehrenbürgerwürde der Landeshauptstadt verliehen.

Lautenschlager förderte die städtebauliche Entwicklung Stuttgarts zur modernen weltoffenen Großstadt. Als liberaler und um Ausgleich bemühter Politiker fand er bei allen demokratischen Parteien Unterstützung. Er vertrat eine moderne, bürgernahe Kommunikationspolitik und sprach sich gegen politisch extremistische Bestrebungen und Antisemitismus aus.

Karl Lautenschlager
Karl Lautenschlager

Karl Lautenschlager war von 1911 bis 1933 Stuttgarter Oberbürgermeister. Foto: Stadtarchiv Stuttgart.

Karl Lautenschlager wurde am 18. Mai 1868 in Stuttgart geboren. Er studierte Staats- und Rechtswissenschaften in Tübingen und Leipzig. In seiner Beamtenlaufbahn hatte er es bis zum Regierungsrat der Stadtdirektion gebracht, als ihn die Stuttgarter am 12. Mai 1911 zu ihrem Verwaltungschef wählten. Zweimal, 1921 und 1931, wurde er mit großer Mehrheit in seinem Amt bestätigt.

Erster Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise

Dr. Lautenschlager führte die Stadt durch die schwierigen Jahre des Ersten Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise. Dabei lag ihm die Stuttgarter Infrastruktur am Herzen. Er ermöglichte den Beitritt der Stadt zur Landeswasserversorgung und wirkte so dem Wassermangel entgegen, er ließ die erste Kläranlage errichten und forcierte den Bau des Hauptbahnhofs sowie wichtiger Straßen, zum Beispiel der heutigen Nürnberger oder der Heilbronner Straße.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurden die zwei von der Stadt bezuschussten Häuser des Hoftheaters sowie die Markthalle und das Kunstgebäude eingeweiht.

Lautenschlager setzte sich als Oberbürgermeister der Industriestadt für die Belange der Arbeiter und Angestellten ein und nutzte hierfür auch seine guten Kontakte zur Wirtschaft. Er unterstützte soziale Projekte wie etwa die genossenschaftlich gegründete Arbeitersiedung Luginsland.

Lautenschlager gegen Antisemitismus

Obwohl sich Lautenschlager als überparteilich verstand, bezog er auch politisch Position. So wehrte er sich öffentlich gegen den wachsenden Antisemitismus in Stuttgart: Am 19. Januar 1919, dem Tag vor der verfassunggebenden Versammlung, erschien in fast allen Stuttgarter Zeitungen eine von Lautenschlager angeführte Anzeige nichtjüdischer Bürger gegen den eskalierenden Antisemitismus. In einer Erklärung Lautenschlagers im “Staatsanzeiger” verurteilten er und zahlreiche Stuttgarter Bürger die publizistischen Auseinandersetzungen und forderten die “Beilegung der Streitigkeiten über Rasse- und Bekenntnisfragen”. Eine solche Positionierung von Nichtjuden gegen den Antisemitismus in der Weimarer Republik war selten.

Während seiner Amtszeit wurden 1922 Obertürkheim, Hedelfingen, Kaltental und Botnang eingemeindet, sieben Jahre später dann von Hofen und 1931 Rotenberg und  Zuffenhausen. Auch die Weiterentwicklung des Badewesens geht auf Lautenschlager zurück. Mehrere Schwimmbäder wurden gebaut, das Inselbad und unter anderem 1929 im Stadtteil Heslach eines der größten Hallenbäder Süddeutschlands im Stil der Neuen Sachlichkeit. Insbesondere der Bau der Weißenhofsiedlung bewies Lautenschlagers Aufgeschlossenheit gegenüber der Moderne. Trotz vieler Angriffe von Traditionalisten setzte er dieses architektonische Vorhaben mutig um.

Früh erkannte Lautenschlager die Bedeutung einer koordinierten Kommunikation der Behörden mit den Medien. Nach jahrelangen Vorarbeiten gelang es ihm schließlich, 1920 in der Stadtverwaltung eine Pressestelle zu etablieren. Die professionellere Information der Medien erhöhte rasch den Anteil der Presseberichte über die Vorhaben und Entscheidungen im Gemeinderat.

Von den Nationalsozialisten aus dem Amt gedrängt

Bei seiner dritten Oberbürgermeisterwahl am 26. April 1931 gewann Lautenschlager klar gegen die Kandidaten von NSDAP und KPD, doch die Nationalsozialisten drängten ihn 1933 aus dem Rathaus. Am 15. Mai 1933 schied er aus dem Amt, am 16. März wurde der nationalsozialistische Stadtrat Dr. Karl Strölin als Staatskommissar eingesetzt. Lautenschlager agierte fortan nur noch als privilegierter Sachbearbeiter. Das Abschiedsschreiben der Bürgermeister bekundet deren Respekt vor Lautenschlager: “Ihr vornehmer Charakter, die Lauterkeit Ihrer Geschäftsführung und Ihr unverwüstlicher Glaube an die Zukunft unseres Volkes und unserer Heimat” seien Vorbild und Rückhalt zugleich gewesen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unterstützte er den ersten Nachkriegsbürgermeister Arnulf Klett als Berater beim Wiederaufbau der Stadt. Lautenschlager starb 1952 im Alter von 84 Jahren.

Mehr über Karl Lautenschlager gibt es im Beitrag von Jörg Schweigard im digitalen Stadtlexikon zu lesen, unter www.stadtlexikon-stutgart.de.

>> Stuttgarts Stadtoberhäupter im Wandel der Zeit – OB Lautenschlager –

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